Subdiakonatsweihe

Lieber Weihekandidat, lieber Marcus,

Hactenus enim liber es. Bis dahin nämlich bist du frei. So spricht heute der Bischof den Kandidaten an, der bereit ist, die Weihe des Subdiakons zu empfangen. So spricht heute der Bischof Sie, lieber Marcus, an. Bis dahin sind Sie frei. Die Subdikakonatsweihe bringt somit eine tiefgreifende Wende mit sich. Man würde gar meinen, Sie würden die Freiheit für die Unfreiheit eintauschen und Ihren eigenen Willen aufgeben.
        Bis dahin sind Sie frei. Worin besteht diese Freiheit? Diese Freiheit besteht in der Möglichkeit, eine Ehe anzustreben. Sie ist mit der Natur des Menschen gegeben, mit dem Schöpfungswerk Gottes. Denn als Mann und Frau erschuf er sie (Gen 1,27), sagt uns der erste Schöpfungsbericht. Darauf spielt die monitio des Bischofs an. Diese Freiheit ist also auf eine Gabe des Schöpfers bezogen. Sie ist nicht Willkür. Von ihr darf jeder Mens­ch rechtmäßig Gebrauch machen.
Auf diese Freiheit verzichtet der Subdiakon. Er wird aber nicht unfrei. Er tauscht sie ein für die ausschließliche Bindung an den Herrn. Er macht sich damit ganz zum Diener des Herrn und folgt Jesus im engsten Sinn des Wortes. Das bedeutet aber auch: Der Tausch hat seinen Gegenwert. Der Subdiakon verzichtet auf ein Gut, um ein anderes Gut anzustreben. Er verzichtet auf ein Gut der Schöpfung im Hinblick auf ein Gut der Neuschöpfung. Die ausschließliche Bindung an den Herrn ist eine Bindung an den Urheber der Neuschöpfung und an sein Werk. Sie ist eine Bindung, welche auf den Ruf des Herrn der Neuschöpfung gründet: Folge mir nach (Mt 8,22), und auf seine Anforderungen: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kind, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein (Lk 14,26). Vor allem aber ist es ein Verzicht, um dem Herrn als Priester zu dienen. Daher ist die Weihe des Subdiakons ein bedeutender Schri­tt hin auf das Priestertum.

 

Dieser Verzicht ist nicht erzwungen, sondern frei. Er erfolgt also auch in Freiheit. In Freiheit geht der Kandidat einen anderen Weg. Er wird nicht willenlos. Er geht den Weg der freien Antwort auf eine neue Situation. In diesem Sinn fährt der Bischof etwas später fort: Proinde, dum tempus est, cogita … Daher überlege, da es noch Zeit ist. Die Bedenkzeit betrifft in erste Linie die Frage des Rufes Gottes. Es darf nur jener hinzutreten, welcher wirklich sagen kann: Es ist der Ruf Gottes, es ist der Wille Gottes. Deshalb fordert der Bischof auf: .. Si in sanc­to proposito perseverare placet, in nomine Domini huc accede. Wenn du aber in dem heiligen Entschluss beharrst, so trete im Namen des Herr hinzu. Es muss ein Hinzutreten im Namen des Herrn sein. Denn diese schwere Auflage, auf die Freiheit hinsichtlich eines Gutes der Schöpfung zu verzichten, wird nur dann gelingen können, wenn Gottes Hilfe nicht fehlt, wenn alles im Namen des Herrn geschieht. Denn es gilt: Wen Gott ruft, dem schenkt er auch seine Gnade; dem hilft er auch, den Weg des Weiheversprechens zu gehen; dem schenkt er eine neue Freiheit, die Freiheit, das Gut der Keuschheit (castitas) um des Himmelreiches willen zu wählen; die Freiheit, das  Gut der Enthaltsamkeit (continentia) nach dem Vorbild unseres Erlösers Jesus Christus zu leben.

 

Wir können uns nun fragen: Wenn Markus heute sein Versprechen einlöst, die Keuschheit und Enthaltsamkeit im Hinblick auf das Priestertum zu leben, warum erfolgt auf dieses Versprechen hin nicht gleich die Priesterweihe? Warum dann dieses Zuwarten? Warum diese zwei Hürden des Subdiakonats und des Diakonats? Warum noch diese Zeit des Überlegens und Abwägens? Das ist beinahe ein Widerspruch zu den Worten des Bischofs: Bis dahin nämlich bist du frei. Nun, das Priestertum des Neuen Bundes, das Sakrament der Priesterweihe, ist so bedeutend, so erhaben, so heilig auch, dass die Kirche diese Stufen eingebaut hat. Der Kandidat soll sich dadurch, in einer letzten und vorletzten Phase nochmals zu Gemüte führen, was für ein hohes Amt er anstrebt. Wird der Kandidat diese Zeit wirklich dazu benutzen, sich bewusst zu werden, was auf ihn als Priester erwartet, vor allem, wem er am Altar dient und für  wen er am Altar steht, wird ihn der böse Feind unseres Herrn (vgl. Mt 13,25) nicht zu Fall bringen können. Deshalb lege ich unserem lieben Markus sehr ans Herz, sich von heute an noch mehr ins Geheimnis des Sakraments der Priesterweihe zu vertiefen und vom Herrn noch inniger die Gnade zu erbitten, ihm in dieser Zeit gleichförmiger zu werden, damit sich an ihm das Wort des heiligen Paulus erfüllt: Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir (Gal 2,20). Denn glaubhaft und wirksam Priester sein kann man nur, wenn Christus in uns lebt. Dann wird auch der böse Feind unseres Herrn nicht Zugriff haben zum Dienst und zur Berufung des Priesters. Die nun folgende Zeit im Dien­ste als Subdiakon möge Ihnen, lieber Markus, helfen, ganz Chris­tus gleichgestaltet zu werden und die Worte des Bischofs besser zu verstehen: Vide, cujus ministerium tibi traditur: ideo te admoneo, ut ita te exhibeas ut Deo placere potes. – Siehe, welch ein Amt dir anvertraut wird! Deshalb ermahne ich dich, dass du dich so verhältst, dass du Gott gefallen kannst.
Werfen wir noch einen Blick auf den heutigen Tagesheiligen, auf den heiligen Josef. Der Herr hat ihn einen Weg geführt, den er sich gar nicht vorstellen konnte. Er hat ihn, der das Gut der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen noch nicht kannte, da der Erlöser noch nicht geboren war, sozusagen unvermittelt dazu berufen. Deshalb nennt ihn die Kirche in der Litanei Ioseph castissime – Du keuschester Joseph. Somit ist die Wahl des Festtages des heiligen Joseph sehr sinnvoll für die Weihe eines Subdiakons. Wie der heilige Joseph im heutigen Evangelium in seine Berufung eingeführt wurde, so auch der Subdiakon in seinen zukünftigen Dienst, nämlich ganz für den kommenden Herrn da zu sein. Möge die Fürbitte des heiligen Joseph für Markus bewirken, dass sein Schritt hin zum Bischof, hin zum Herr­n, in der Kraft und Gnade des Heiligen Geistes, des Geistes der sieben Gaben, geschehe. Amen.